Das Buch:
Eine paar Freunde ziehen in ein Haus in Berkeley, Kalifornien. Einer von ihnen ist unser Chronist, Aaron Cometbus. Sie sind jung und wollen ihren Traum vom selbstbestimmten Leben verwirklichen. Das „Doppelzwei“-Haus ist für sie ein Rückzugsort, aber auch eine ständige Herausforderung, die eigenen Prinzipien und Ideale zu überprüfen. Die beengte, ökonomisch schwierige Situation der Hausgemeinschaft und die Verschiedenheit der Charaktere erzeugt täglich neue Konflikte nicht nur mit Nachbarn und Polizisten, sondern auch untereinander. Die Beziehungen und der Raum, der sie umgibt, das Haus, ist Ausgangs- und Mittelpunkt der Selbstkonstituierung der auftretenden Personen, allein eine Einrichtung ist nicht vorhanden. Der Flur und die Wohnküche stehen voll mit Band-Equipment, Elektroschrott und Autoteilen. Macht aber nichts. Sluggo, Little G, Willey, Sean, Theodotia, Jag, Jed und Aaron haben sich ja entschlossen zusammenzuwohnen, um anders zu leben. Ab Kapitel 49 kippt die Geschichte: Aaron kommt von einer längeren Tour zurück und findet das Haus leer und die Mitbewohner in alle Himmelsrichtungen verstreut:
„Als der Zug in Berkeley einfuhr, rannte ich mit meinem zerfledderten Koffer und den Schlagzeug-Becken zum Doppelzwei-Haus. Meine glorreiche Rückkehr. Wieder einmal. Aber niemand antwortete, als ich an die Tür klopfte. Sie war verschlossen. Wo waren alle? Eigentlich sollten sie zu Hause sein. Sie waren doch buchstäblich meine Sicherheit, dass ich abhauen konnte und trotzdem etwas hatte, zu dem es sich zurückzukommen lohnte.“
Mit einem eleganten Kunstgriff lässt er in den folgenden Kapiteln die verschiedenen Bewohner des Hauses in Interviews ihre Version der Vorfälle während Aarons Abwesenheit erzählen. Bei jedem Protagonisten erfährt der Leser eine neue Einzelheit, und natürlich geben sich alle gegenseitig die Schuld an der Misere. Es gibt keinen Grund, an den beschriebenen Ereignisse zu zweifeln. Und dies ist der ganz spezielle Zauber, der sich in Aaron Cometbus’ Erzählung entwickelt; hier kann man den Schriftsteller noch aus seinen Lebensumständen deuten. Aaron Cometbus hat die Fähigkeit, seinen eigenen Background genau so lebendig, erstaunlich und problematisch zu schildern wie neue Orte und Szenarien, die er erkundet. Das Fremde ist genauso interpretierungswürdig wie die eigene Kultur. Zeitweilig gerät „Doppelzwei“ zur Hommage an Berkeley, lässt sich vielleicht sogar als alternativer Reiseführer benutzen.
Aaron Cometbus ist vielleicht der wichtigste Protagonist der amerikanischen und internationalen Egozine-Kultur. Der dieser Übersetzung zu Grunde liegende Roman „Double Duce“ erschien in den USA zuerst als Fanzine im Selbstverlag (Cometbus #42), 2003 brachte Last Gasp eine Buchversion heraus.